Mittwoch, 11. Januar 2012

Vorlesung

Ahoi-hoi!
Ich hatte heute wieder eine göttliche Vorlesung und möchte euch mal aus dem Vorlesungsscript meines Dozenten zitieren. Es geht um Antiklerikale Mythen.

"Vielleicht haben Sie am 19. Dezember den Historienfilm „Die Päpstin“ (2009) gesehen, oder Sie haben den entsprechenden Roman von Donna Woolfolk Cross von 1996 gelesen. Wenn man ein Patentrezept für einen erfolgreichen Historienschinken formulieren wollte, käme man wohl etwa zu folgender Formel: Man nehme eine Hauptfigur mit hohem Identifikationspotential für die mehrheitlich weibliche Leserschaft, und versetze sie in ein im Vorwissen der Leserschaft möglichst einfach als abgrundtief gefährlich entschlüsselbares Setting. Man nehme also eine junge Frau mit den Träumen, Wünschen und Sorgen einer Hausfrau von heute – und versetze sie in das klischeehafteste Mittelalter von allen: in „die mittelalterliche Kirche“. Wie James Bond sich mutterseelenallein in die unterirdische Zentrale der Welteroberungsverschwörung einschleichen muss, so unterwandert unsere Protagonistin also den Papsthof in Rom. Die Idee, ein junges Mädchen selbst zur Päpstin gewählt werden zu lassen, hätte nun wohl jeder Verlagslektor als reichlich schlecht konstruiert zurückgewiesen – wenn es sie nicht als Legende schon seit dem Mittelalter gäbe.
Damit eine solche „queere“ Story zum Bestseller wird, muss man freilich eine klar heterosexuelle Liebesgeschichte einbauen. Die Protagonistin „Johanna“ des Romans betreibt zwar über all ihre Karrierestufen hinweg cross-dressing, wie es in unserer heutigen Wahnehmung und auch in der kulturwissenschaftlichen Forschung bevorzugt im Kontext weiblicher Homosexualität verhandelt wird, dass sie „eigentlich eine Frau“ ist, muss aber immer wieder klar gestellt werden. Johanna muss sich also nach ihrem Jugendfreund Gerold verzehren, anstatt sich auf ihre Karriere zu konzentrieren – das verstehen dann auch die Leserinnen und Leser historischer Bestseller."

Herrlich, oder?!

4 Kommentare:

  1. Haha ... und damit wäre alles zu diesem Film gesagt. Herrlich! Aber die Leute gehen ja auch nichts in Kino um komplexe Zusammenhänge der Historie aufgetischt zu bekommen. Das kann der heutige Konsumermagen doch gar nicht mehr verdauen.

    PS.: Ich wage es mal anzuzweifeln, das es heute noch ECHTE Hausfrauen gibt. Und wenn, sind sie als solche nicht mehr so offen zu erkennen. Die meisten "Hausfrauen", die ich kenne, suchen nur einen Ausrede um nicht sagen zu müssen, dass sie keinen Bock auf Arbeit haben. :)
    Aber das sind nur meine 50 Cent.

    AntwortenLöschen
  2. Außerdem ist es ja auch nicht mehr gesellschaftsfähig zu sagen: "Ich bin eine Hausfrau!"

    AntwortenLöschen
  3. Hey, ich bin eine Hausfrau und was für eine *HÄHÄ*

    AntwortenLöschen
  4. ich bin keine HAUSfrau. Mir fällt nach 7 Tagen zu Hause sowas von dermaßen die Decke auf den Kopf, ich halt das nicht aus.

    AntwortenLöschen